21. September 2016

Rezension zu „Alles was ich sehe“ von Marci Lyn Curtis

Berührend und einfach wundervoll- definitiv mein Jahreshighlight!


© Carlsen Verlag

Titel: Alles was ich sehe
Autor: Marci Lyn Curtis
Seiten: 432
Genre: Jugendbuch
Reihe: Nein

gelesenes Format: HC

Eine riesen großes DANKESCHÖN an den Carlsen Verlag und Königkinder für dieses Rezensionsexemplar! <3 

„Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann.“
(Quelle: https://www.carlsen.de/hardcover/alles-was-ich-sehe/70968)


Dieses Buch hat mich von seinem Cover und dem Klappentext sofort neugierig gemacht, da ich in meinem Beruf viel mit Menschen mit den verschiedensten Beeinträchtigungen zu tun habe. Dass die Protagonistin Maggie blind ist, fand ich besonders spannend, weil ich es immer sehr interessant finde, wie Menschen mit ihren Beeinträchtigungen umgehen.

Ich habe mich also gleich ins Buch gestürzt und war von der ersten Seite an begeistert. Marci Lyn Curtis schreibt in einem super flüssigen und angenehm zu lesenden Stil und nimmt den Leser von Anfang an mit in die Geschichte von Maggie.
Besonders toll finde ich, dass Maggie von Anfang an eine sehr starke Persönlichkeit ist, die trotz ihrer Beeinträchtigung ihr Leben lebt. Ihre Blindheit ist zwar da, steht aber nicht wirklich im Fokus. Und das ist es, was dieses Buch für mich einfach so stark und beeindruckend gut macht: Es setzt den Fokus bei Maggie auf ihre Stärken und stellt nicht ihre Schwäche in den Vordergrund. Überall findet sich in diesem Buch „Normalität“ und das sucht man bei anderen Büchern mit ähnlichen Thematiken leider oft vergeblich.
Umso besser gefällt mir dieses Buch, denn es zeigt, dass Behinderungen und Beeinträchtigungen das Leben zwar beeinflussen, es aber nicht zwingend bestimmen müssen. <3
Maggie ist von ihrem Wesen nämlich kein Mädchen, die sich den ganzen Tag verkriecht und nur rumjammert.  Klar, erlebt sie im Laufe der Geschichte immer wieder Hoch- und Tiefpunkte, aber sie gibt nie auf. Denn natürlich ist Maggies plötzliche Blindheit auch an der Familie und dem Familiengefüge nicht spurlos vorbeigegangen. Ihren Eltern fiel diese Umstellung nämlich auch nicht leicht. Sie wissen nicht so recht, wie sie mit der veränderten Lebenssituation ihrer Tochter zurechtkommen sollen, sprechen mit ihr aber auch nicht wirklich darüber.  
Auch wenn es komisch klingt, aber ich habe Maggie nicht bemitleidet, ich habe sie von Anfang an bewundert, einfach weil sie so ein starkes Mädchen ist, die sagt was sie denkt und für das, was sie möchte kämpft. Sie macht auch ihre Fehler im Leben und lernt aus ihnen. Marci Lyn Curtis hat mit Maggie einen sehr authentischen Charakter geschaffen, die ich direkt ins Herz geschlossen habe und die ich nicht so schnell vergessen werde.

Doch in diesem Buch gibt es ja noch weitaus mehr Charaktere, die eine entscheidende Rolle spielen.
Da wäre als erstes Ben, den deutlich jüngeren Jungen, den Maggie aus unerfindlichen Gründen plötzlich als einziges sehen kann. Ben ist ein so wundervoller Charakter, man muss ihn einfach gerne haben. Ich finde es echt gut, dass er Maggie nicht bemitleidet und sie einfach so nimmt, wie sie ist. Benn tritt mit seiner frechen, lebensfrohen und einfach liebenswürdigen Art genau im richtigen Moment in Maggies Leben und hilft ihr in manchen Situationen, indem er ihr Mut macht und ihr ein Stück seiner Lebensfreude abgibt. Ben tut Maggie als Kumpel braucht.
Dann ist da noch Mason, der Sänger von Maggies Lieblingsband und zugleich Bens großer Bruder. Ihn mochte ich nicht ganz so gerne wie die anderen beiden, da er Maggie gegenüber zu Beginn sehr skeptisch war. Nach und nach konnte ich aber Sympathien für ihn entwickeln, auch weil er seinen Bruder immer richtig gut beschützt hat, wie ein großer Bruder das auch machen sollte. Ich fand ihn außerdem interessant, weil er mit Maggies Blindheit einfach völlig anders umgegangen ist als Ben.

Bei diesem Buch fand ich die Storyline wirklich spannend, weil ich zunächst nicht einschätzen konnte, welche Richtung die Story handlungstechnisch einschlagen würde. Ich würde die Story mit dem Wort „Leben“ beschreiben. Denn genau das ist diese Geschichte, sie beschreibt uns einen Teil aus Maggies Leben. Und das Leben hält für jeden Menschen ja so einige Überraschungen bereit. Das hat man auch während der Geschichte von Maggie gemerkt, denn besonders ab der Hälfte und dann nochmal zum Ende hin gab es immer wieder einige für mich sehr unerwartete Wendungen, die ich einfach klasse fand!  
Zum Ende hin hat sich Maggie charakterlich auf eine wirklich authentische und schöne Weise weiterentwickelt. Sie hat durch Bens Hilfe zurück in ihr Leben gefunden, ist selbstbewusster geworden und fängt an, ihr Leben trotz Blindheit einfach noch selbstständiger zu leben.

Dieses Buch hat mich mit seiner tiefgründigen, emotionalen und einfach wunderschönen Geschichte wirklich im Herzen berührt! Ich habe vorher in die Richtung noch nie ein Buch gelesen, dass es geschafft hat das Thema „Beeinträchtigung“ auf so eine geniale Art und Weise darzustellen, bei der die Betroffene eine starke Persönlichkeit hat und diese auch, unter Unterstützung von anderen wunderbaren Menschen, nutzt, um ihren Weg zurück ins Leben zu finden.
Dieses Buch ist definitiv eins meiner Jahreshighlights!! Was für ein geniales Buch! <3 <3 <3

Ich vergebe 6 von 5 möglichen Büchern, denn dieses Buch hat mich wirklich umgehauen! 

 

Mehr Infos und eine Leseprobe findest du hier!


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